Mittwoch, 27. Juni 2012
Vierter Teil des vierteiligen Berichts über die Pfingst-Jugendturnierfahrt.
Der 4. Tag, Endspurt
Die Anreise bei noch wärmeren Wetter klappte vorzüglich, alle waren pünktlich, motiviert und fit, bis auf den Verfasser selber, der schlecht geschlafen hatte und konditionell am Ende schien.
Heute ging es auch schon um 09:00 Uhr los (Abfahrt 8:00) da der Veranstalter gegen 20:00 Uhr die Siegerehrung vornehmen wollte, um die Teilnehmer nicht zu spät auf die Heimreise zu schicken.
Ich selbst war auf Grund meiner schlechten Verfassung bereits nach 16 Zügen als erster fertig. Mein Gegner Frederik Hermsen (Turm Kleve , 1782) wählte mit Schwarz die Skandinavische Verteidigung, die ihm eine äußerst passive Stellung mit diversen Schwierigkeiten bescherte. Er bot Remis an, was ich akzeptierte, obwohl da (nach Analyse) mehr drin gewesen wäre.
Auch Sebastian Eßer kam gegen seinen Gegner Maczkowiak (1946) zu einem schnellen Remis.
Viktor Pütz schlug recht zügig den DWZ losen Beckmann und hatte nun endlich 2 Punkte aus 6 Partien.
Damit waren aber die guten Nachrichten zu Ende. Jakob hatte nach seinem gestrigen Frauentag mit Stefan Geyler (1835) meinen starken Gegner der dritten Runde erwischt und wurde von ihm recht eindruckvoll zusammengeschoben. Auch Max Neuber verlor leider, diesmal gegen einen durchaus machbaren Gegner Gula (1180). Wie dies zu Stande kam, habe ich nicht so recht verfolgen können.
6. Runde: Eßer - Maczkowiak (1946) remis Liebsch- Hermsen (1782) remis Neuber- Gula (1180) 0-1 Pütz - Beckmann (-) 1-0 Weber- Geyler (1835) 0-1
Die Schlußrunde entwickelte sich dann (fast befürchtet) zum Fiasko. Wir erzielten aus 5 Partien einen mickrigen halben Punkt. Den erzielte ausgerechnet der Verfasser selber, der erneut eine deutlich bessere Stellung gegen Norbert Raygrotzki (1832) nicht zu Ende spielte. Mit Läuferpaar und guter Bauerstrucktur gegen Springerpaar und Doppelbauern wäre eigentlich nur Geduld und Konzentration von Nöten gewesen, aber die hatte ich schon lange nicht mehr und so beendete ich das Turnier mit sage und schreibe 5 erzielten Remis (aber alle gegen stärkere Gegner).
Jakob Weber spielte erneut gegen einen Underdog Ronneburg (799) und ließ sich von diesem unerwartet zweizügig matt setzen. Max Neuber hatte seinen Kampfgeist verbraucht und verlor ohne große Gegenwehr gegen Grabowski (1270).
Viktor Pütz stellte seine Partie gegen Naumann (1565) ebenfalls ein, sodaß an diesem Abend (erstmalig) auf Sebastian Eßer gewartet werden mußte. Der hatte gegen Brecker (1884) noch Sprit im Tank und kämpfte, allerdings hatte er einen sehr passiven Aufbau im Damengambit mit schwarz gewählt und der Gegner war voll motiviert und aktzeptierte kein Remisangebot. In Zeitnot stellte Sebastian schließlich leider einen Zentrumsbauer ein, sodaß die Partie dann nach 4 Stunden recht zügig "den Bach runter ging."
7. Runde: Brecker (1884) - Eßer 1-0 Liebsch- Raygrotzki (1832) remis Naumann (1565) - Pütz 1-0 Grabowski (1270) - Neuber 1-0 Ronneburg (799) - Weber 1-0
Fazit: Eine beeindruckende Veranstaltung mit schönem Ambiente, die man möglichst bald wiederholen sollte. Allerdings waren die täglichen Hin- und Rückfahrten anstrengend. Eine Turnierfahrt sollten wir als Verein allen unseren Mitgliedern mindestens einmal im Jahr näherbringen. Neben schachlichen werden ganz sicher auch die sozialen und damit mannschaftsdienlichen Aspekte stark gefördert.
Einzelkritik:
Max Neuber zeigte eine gute Leistung, obwohl diese leider in der Regel (noch) nicht mit Punktgewinnen belohnt wurden. Sein Spiel ist viel solider geworden, er braucht auch nicht mehr ganz so viel Zeit für seine taktischen Überlegungen. Das Turnier wird sich für ihn bereits in naher Zukunft auszahlen. In diesem Turnier allerdings blieb es bei 1/7, einer Turnierleistung von ca. 870 DWZ und damit konnte er sich nicht verbessern.
Viktor Pütz begann stark, baute dann aber im Laufe des Turniers deutlich ab. Auch war eine leichte Tendenz zu unsolidem Spiel zu verzeichnen. So wurden Bauern verspeist, die man vielleicht hätte stehen lassen sollen. Viktor erzielte 2/7 erzielte eine Turnierleistung von ca. 1470 und verlor somit einige wenige Punkte. Er mußte von allen am längsten ran und dürfte damit sein "Sitzfleisch" verbessert haben. Jakob Weber spielte ein sehr unglückliches Turnier. Hier war wohl bereits die zweite Partie des Turniers die wegweisende. Offenbar sind seine Endspielkenntnisse noch nicht ausreichend.
Jakob erreichte 2/7, die Turnierleistung betrug jedoch auf Grund der insgesamt schwächeren Gegnerschaft nur 900 DWZ, woraufhin er mit diesem Turnier letztlich fast 100 Punkte verlor. Trotzdem Kopf hoch Jakob, die gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse kann dir niemand mehr nehmen.
Sebastian Eßer war der Gewinner des Turniers, er erzielte bei einer Turnierleistung von 1830 einen DWZ Plus von rund 50 Punkten und beendete das Turnier mit 3/7 bei durchweg starker Gegnerschaft. Sebastian hatte allerdings zwischendurch immer wieder mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen, sprang häufig auf und wanderte umher und spielte sogar einmal während der Partie draußen Fußball. Insbesondere bei den Nachmittagspartien war er häufig nicht mehr voll bei der Sache. Wenn wir auf diesem Gebiet noch Fortschritte erzielen, ist noch weiteres Potenzial für Leistungssteigerungen "im Gepäck."
Der Verfasser selber kam an seine Leistungsgrenze. 7 Partien in 3,5 Tagen, dazu noch Aufsicht der Jugendlichen und Organisation, sowie der Fahrtstress. Es ist mir ein Rätsel, daß ich nach der Auftaktniederlage keinen Partieverlust mehr hinnehmen mußte und das Turnier mit stolzen 3,5 aus 7 Partien auf Platz 56 beenden konnte. Bei einer Turnierleistung von 1790 wurde ich mit rund 30 Pluspunkten belohnt. Großer Schwachpunkt im Turnier war allerdings die Verwertungsunfähigkeit in leicht besseren Stellungen.
Wer die genauen Endstände und den übrigen Turnierverlauf nachlesen möchte, sei auf die Internetseite des Schachvereins Turm Krefeld (Stichwort Pfingsturnier) verwiesen.
Ulrich Liebsch |