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Chemiker sind offensichtlich die besten Fernschachspieler!(?)   Drucken  E-mail 
Geschrieben von Administrator  
Dienstag, 27. Juli 2004

Dr. Michael Negele verfaßt im September 1996

Chemiker sind offensichtlich die besten Fernschachspieler!(?)

Zumindest scheint Grigorij Sanakojew, der XII. Fernschachweltmeister und Forschungschemiker aus Woronesch (RUS), dieser Auffassung zu sein, denn so begrüßte er scherzhaft er seinen Amtsvorgänger und Berufskollegen, Fritz Baumbach aus (Ost-)Berlin beim ICCF-Kongress 1990 in Bad Blankenburg (vgl. den Artikel im Heft 20/1990 des Schachmagazin 64).

Vielleicht ist an dieser Behauptung sogar etwas Wahres, hat doch die analytische und synthetische Arbeit eines Chemikers und die damit verbundene tiefschürfende Literatursuche etliches mit der beim Fernschach benötigten Hartnäckigkeit und Systematik gemein.

Als ich vor 5 Jahren Mitglied des BdF wurde und mit dem "organisierten" Fernschach begann, geschah dies sicherlich nicht aus beruflicher Solidarität zu den zitierten Herren, sondern war im Gegenteil eher eine Reaktion auf den durch die BAYER-Tätigkeit verursachten Zeitmangel. Bereitwillig will ich zugeben, daß in früheren Jahren diese "Abart" des Schachspiels von mir zumeist etwas mitleidig belächelt wurde: Wahrscheinlich hat mich damals jener Stolberger FS-Schachfreund an manchem Vereinsabend doch allzu intensiv in seine häuslichen Analysen eingebunden. Mit Vorliebe demonstrierte er auf meine gutgemeinten Ratschläge, was "Mephisto" in der betreffenden Stellung spielen würde...

Doch nun habe ich mich zu meiner Überraschung für die Endrunde der 27. Deutschen Fernschachmeisterschaft qualifiziert und so scheint es mir an der Zeit, Farbe zu bekennen und einen kurzen Erfahrungsbericht für interessierte Mitglieder unseres Vereins, die sich dem Fernschach widmen möchten, zu verfassen:

Grundsätzliches.

Fernschach erfordert systematisches und zielgerichtetes Denken (Gedankenlosigkeit oder Konzentrationsmangel können die Mühen von Monaten oder Jahren zunichte machen.), Gründlichkeit, Ausdauer und vor allem Geduld. Außerdem kann es entsprechend der Intensität der analytischen Arbeit jede Menge Zeit kosten - Perfektionisten seien also gewarnt.

Außerdem verliert man rasch den Spaß an der Sache, falls es während eines FS-Turniers bei einem der genannten Faktoren einen auch nur kurzzeitigen Engpaß gibt. (Die dadurch verursachten Mißerfolge stellen sich mitunter erst Monate später ein.)

Deshalb rate ich jedem Interessenten ab, mehr als 10-15 Partien gleichzeitig zu spielen, obwohl dies nicht immer konsequent durchzuhalten ist und absolute FS-Freaks auf 40, ja sogar bis zu 60 oder gar 100 Partien kommen.

[Meine persönliche Schmerzgrenze sind maximal 20 parallellaufende Partien, wobei ich streng darauf achte, daß sich davon höchsten 12-14 Partien im gleichen Stadium (Eröffnung oder frühes Mittelspiel) befinden.] Eine gute Mischung ergibt sich aus einem mit einem Zeitversatz von 4-6 Monaten gespielten nationalen und internationalen Turnier mit je 8 bis 14 Partien.

Man sollte je nach Spielstärke und Nahschach-Erfahrung in der 1. oder 2. Klasse des BdF bzw. des ICCF starten, Mitgliedsbetrag und Startgelder sind niedrig, allerdings darf man die Portokosten (ca. 20.-DM im Monat) nicht unterschätzen. Am besten beschafft man sich vorgedruckte Fernschach-Postkarten (Z. Zt. gibt es sogar noch Vordrucke unseres Vereins!),

eine Kladde zum Notieren der Zugfolgen und eventueller Ideen; schon kann es losgehen.

Die neuen Medien sind auch im Fernschach im Vormarsch, wobei ich in Email-Turnieren eine gute Chance sehe, die in internationalen Turnieren häufig nervigen Verzögerungen bei der "Schneckenpost" (ca. 6 Wochen Postlaufzeit mit Rußland oder Südamerika) zu umgehen.

 

Fernschach und Computer.

Ein heikles Thema von fast "weltanschaulichem" Charakter:

Zunehmend wird von zahlreichen Seiten der "Tod des Fernschachs" durch die immer stärker werdenden Computer-Schachprogramme postuliert, interessanterweise zumeist von Nicht-Fernschach-Größen. (GM John Nunn gehört u.a. dazu.)

Meine eigenen Erfahrungen diesbezüglich sind eher gegenteilig: Sicherlich sind die heutigen Schachcomputer in der Lage, schwächere Spieler zu beachtlichen FS-Erfolgen zu führen, aber auf höchstem nationalen oder internationalen Niveau wäre es fatal, sich ausschließlich auf das Urteil seines Computers zu verlassen. Außerdem scheint bei den PC-Programmen mittlerweile eine gewisse "Sättigung" einzutreten, die vor allem die weitere Spielstärke-Steigerung betrifft.

Keineswegs halte ich es für "moralisch verwerflich", sich einer Computerhilfe zu bedienen, denn fremde Hilfe war beim Fernschach schon immer zugelassen: Sei es in der Form von Schachliteratur oder der Analyse am Brett mit Schachfreunden jedwelcher Spielstärke. Dabei sehe ich in der ausführlichen Analyse mit einem spielstarken Partner [So in wenigen Fällen mit meinem damaligen Nachbarn, IM Bernd Schneider praktiziert.] einen viel gravierenderen Einfluß auf den Verlauf einer Partie. Denn noch ist die Intuition und das Stellungsgefühl eines Meisterspielers jedem Computerprogramm im Finden langfristiger Pläne klar überlegen.

Mir macht es eigentlich recht viel Spaß, hinter die Horizonte der Rechnerprogramme vorzudringen. Dies erfordert jedoch sehr gründliche und systematische Analysenarbeit, wozu meist die ausreichende Zeit fehlt. Taktische Fehler oder Fehlberechnungen von Varianten treten beim gründlichen Check einer potentiellen Kombination mit einem PC-Schachprogramm kaum noch auf. [Eine übersichtliche Darstellung aller Varianten und Untervarianten bis hin in die tiefsten Verästelungen gelingt mit dem Computer sehr viel leichter und erspart jede Menge Papier.]

Somit dominiert die Wahl der stellungsgerechten Strategien und die ausgewogene Risikoabschätzung; letztlich setzt sich auch bei Benutzung von Schachcomputern die bessere Idee, der mutige Entschluß durch und bisweilen sind es gerade kleine materielle Opfer oder positionelle Zugeständnisse, die den Computer in die "Irre", d. h. zu einer fatalen Fehleinschätzung der Lage führen können. Erinnern will ich nur an die erste Partie des WDR-Matches zwischen Garry Kasparow und Chess Genius auf einem Pentium-Rechner.

Ein Nachteil der spielstarken Programme in gegnerischer Hand ist augenfällig: Häufig macht ein friedfertiger Computerspieler jedwede Anstrengung, eine Partie in interessante Fahrwasser zu führen, durch die Wahl einer Ausgleichsvariante zunichte. Doch zum Glück überwiegt der Anteil an FS-Freunden, die ihre Partien gewinnen wollen.

Deutlichen Einfluß auf den Partieverlauf nehmen mittlerweile die computergestützten Datenbanken: Es gelingt kaum noch, den Gegner mit einer jüngsten Neuerung aus der Großmeister-Praxis zu überraschen, da er die Partie bereits über sein Datenbank-Update oder gar über das Internet in seine Mega-Database von 500 000 Partien und mehr vereinnahmt hat. Den "Rekord" hält einer meiner FS-Partner, der mir von über 900 000 Partien in seiner Datenbank berichtete. Mir erscheint solch eine Datenflut eher verwirrend und deshalb bevorzuge ich noch immer die "Handrecherche" in meiner (zugegebenermaßen großen) Bibliothek. Allerdings stütze ich mich mittlerweile auch auf eine Datenbank, den russischen ChessAssistant.

Für den Anfänger seien in unserem Schachheim die Vereinsbibliothek als ausreichende Quelle für das Fernschach-Wissen und unser PC im Geschäftszimmer zum Ausprobieren eines Schachprogrammes empfohlen.

Gekürzt und aktualisiert 2004 – Man erkennt an diesen Ausführungen, wie schnell sich die Computerprogramme entwickelt haben. Heute ist für mich das Fernschach im klasischen Sinne „erledigt" – einzig im Serverschach sehe ich eine sinnvolle Weiterentwicklung.


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