Montag, 11. Juni 2012
Dritter Teil des vierteiligen Berichts über die Pfingst-Jugendturnierfahrt
3. Tag, Sonntag, den 27.05.2012
Hochzeitstag, meine Frau verabschiedete mich finster, hätte sie an diesem traumhaft schönen Tag doch (verständlicherweise) gerne etwas mit mir unternommen. Aber ich befand mich um 09:10 Uhr bereits mit meinen 4 Mitstreitern wieder auf der Autobahn Richtung Krefeld.
Den Start der 4. Runde konnte ich unerwartet lange beobachten, denn mein heutiger Gegner Thomas Maczkowiak (SG Ennepe Ruhr, 1874) kam gut 20 Minuten zu spät, also kurz vor Toresschluss.
Sebastian Eßer mit 2/3 hatte den erwartet schweren Gegner Komans (2046) auch noch mit Schwarz gezogen. Sebastian leistete erbitterten Widerstand, jedoch war es so als würde man aus einem Luftballon langsam die Luft rauslassen. Die materiell ausgeglichene Stellung wurde Stück für Stück immer mehr zusammengedrückt. Einzig die aufkommende Zeitnot des Gegners machte Sebastian noch Hoffnung. Mit dem 40. Zug musste er dann allerdings die inzwischen haltlose Stellung aufgeben.
Viktor Pütz spielte gegen SF Stelter (1610) eine klasse Partie, stand mehr oder weniger klar auf Gewinn, nahm dann allerdings einen vergifteten Bauern im Zentrum, woraufhin dann wahlweise Matt oder Figurenverlust drohte. Diese Partie hat Viktor wohl etwas leichtfertig eingestellt, schade.
Jakob Weber hatte es nach seinem schweren gestrigen Tag heute mit Gabi Tautz (845) mit einer von insgesamt 4 Damen im Feld zu tun. Da musste ja wohl ein Pflichtsieg gelandet werden. Trotzdem tat sich Jakob unverwartet schwer, hatte zwar einen Bauern gewonnen, aber seine Königsstellung war etwas verdächtig. Es kam dann zu folgendem charmanten Remisangebot von Frau Tautz: "Ich stehe zwar materiell und positionell schlechter und habe auch weniger Zeit. Weil ich bis jetzt aber so tapfer gekämpft habe, habe ich mir ja wohl ein Remis verdient." Ich war zufällig anwesend, obwohl Jakob zusammen mit Max in die Nebenräume abgerutscht war, konnte mir ein Grinsen kaum verkneifen und verließ schnell das Zimmer. Später erfuhr ich, dass Jakob wohl kommentarlos weiterspielte und dann recht zügig gewann.
Max Neuber hatte es mit Gotfried Eschweiler (Bayer Dormagen, 1737) tun und spielte seine vierte gute Partie hintereinander, aber auch diesmal reichte es nicht zum Punktgewinn. In seiner Euphorie über seine eigene gute bzw. des Gegners passive Stellung, drang er auf die 7. Reihe ein und stellte dort leider seine Dame einzügig ein.
Meine eigene Partie ist schnell erzählt. Der Gegner massierte seine Doppeltürme auf der C-Linie, ich hatte gewisses Gegenspiel am Königsflügel. Für mich überraschend tauschte er dann aber nicht die C-Bauern, um die Linie zu öffnen, sondern zog c4, wonach der gesamte Damenflügel geschlossen wurde und bot Remis an. Nach kurzer Bedenkzeit nahm ich an und zog somit nach der Vormittagsrunde mit Sebastian Eßer (internes Duell) wieder gleich (beide 2/4).
Ein Wort zu den namhaften Duellen auf der Empore. Bereits in der 4. Runde verabschiedeten sich SF Rotstein wie IM Karl Heinz Potzielny ("Potz Blitz") durch unerwartete Niederlagen vom möglichen Turniersieg. Ich hatte schon am ersten Tag registriert, dass unser langjähriger Gast des Weihnachtsschnellturnieres schlecht aussah und statt des üblichen "Pilsken" nur Wasser trank.
4. Runde: Komans (2046) - Eßer 1-0
Liebsch - Maczkowiak (1874) remis
Pütz - Stelter (1610) 0-1
Weber - Gabi Tautz (845) 1-0
Neuber - Eschweiler (1737) 0-1
Am Nachmittag fiel mir auf, dass ich wiederkehrend immer wieder dieselben Spielnachbarn zu sehen bekam. Es stellte sich eine gewissen Vertrautheit ein und es wurden einige neue Bekanntschaften und Gesprächsverbindungen hergestellt. Es sollte unsere erfolgreichste Runde in diesem Turnier werden.
Trotz Niederlage in der letzten Runde hatte Sebastian Eßer erneut mit SF Walter (2010) den stärksten Gegner zugelost bekommen und stöhnte. Aber nachdem sein Gegner sein schon fast obligatorischen Remisangebot abgelehnt hatte, kniete er sich rein.
Mit Reinhard Schmerwitz (1695, SF Mülheim) hatte ich einen Gegner, den ich unbedingt schlagen wollte. Trotz schwarzer Steine stand ich nach Sizilianischer Eröffnung nach recht kurzer Zeit auch besser, aber es kam zu einer Zugwiederholung, der ich nicht ausweichen wollte (wenn ich meine bessere Stellung nicht aufgeben wollte). Also schon wieder remis und Sebastian guckte irritiert (da ich in unserer internen Wertung in Führung ging).
Jakob Weber hatte seinen Damentag und bekam mit Frau Kleinschmidt (867) gleich die zweite Dame serviert, die er diesmal recht humorlos abservierte. Schade, dass das so wenig DWZ Punkte brachte.
Max Neuber spielte gegen SF Büschking (770) und wir alle wunderten uns darüer, wie ein Erwachsener (45-50 Jahre alt) mit Turniererfahrung eine so niedrige DWZ Zahl ausweisen konnte. Nach zwei Stunden wussten wir es. Max berichtete später, sein Gegner habe zwar Drohungen aufgestellt, jedoch auf seine eigenen Drohung so gut wie gar nicht reagiert und nacheinander innerhalb von 20 Zügen 3 Figuren einfach "stehengelassen". Endlich der erste Punkte für Max.
Die Zähigkeit von Sebastian zahlte sich aus, es gelang ihm fehlerlos seine Stellung im Gleichgewicht zu halten und den Gegner so zu zermürben, dass dieser schließlich in eigener Zeitnot in ein Remis einwilligte. "Der war ja so stark, wie mein Vater" war der staunende Kommentar von Sebastian. Er weiss wohl noch gar nicht, wie stark er agieren kann, wenn er konzentriert bleibt.
"Täglich grüßt das Murmeltier" so könnte man sagen, denn auch diesen Abend war Viktor wieder mal der letzte Bayer Spieler am Brett. Trotz 1/4 hatte er mit SF Beil (1988) einen schweren Gegner zugelost bekommen, der am Samstag zwei Runden ausgelassen hatte und so unerwartet weit unten aufgetaucht war. SF Beil hatte mit einem Qualitätsopfer auf f6 den rochierten Königsflügel von Viktor aufgerissen und griff vehement an, aber Viktor verteidigte sich zäh und geschickt. Der Gegner steckte seine gesamte Bedenkzeit in den vorgetragenen Angriff, es verblieben noch 4 Minuten für 18 Züge und Viktor hatte seine Qualität immer noch. Zwei Minuten vor dem gegnerischen Blättchenfall musste Viktor leider aufgeben. Ein leider immer wiederkehrender Fehler kam auch hier zum tragen. Wenn der Gegner in massiver Zeitnot selbst hektisch ziehen muss, lässt man sich von der Hektik anstecken, obwohl Viktor noch 40 Minuten Restbedenkzeit übrig hatte.
Schade, diese Partie hätte unsere Gesamtausbeute von 3/5 noch deutlich steigern können. Es blieb aber unsere beste Runde. Obwohl wir recht euphorisch nach Hause fuhren, sollte der kommende letzte Turniertag nicht mehr so erfolgreich sein. Davon berichte ich dann im 4. Teil demnächst.
5. Runde: Walter (2010) - Eßer remis
Schmerwitz (1695) - Liebsch remis
Büchking (770) - Neuber 0-1
Kleinschmidt (867) - Weber 0-1
Beil (1988) - Pütz 1-0
Ulrich Liebsch |